Besichtigung Engadin Airport

Vor 150 Jahren hat der St. Moritzer Hotelier Johannes Badrutt die ersten Gäste im Winter in die Berge gelockt – und damit den Wintertourismus erfunden. Am 27. Januar 1938 landete erstmals eine DC-2 der Swissair in Samedan. Bereits einen Monat später folgte die erste Direktverbindung von Samedan nach London. Diese ersten Passagierflüge ins Engadin etablierten die Winterferien. Noch heute stellt der Engadin Airport für das Oberengadin das „Tor zur Welt“ dar und ist als touristische Infrastruktur nicht mehr wegzudenken.

Obwohl der Engadin Airport 1938 als ziviler Flughafen – damals noch mit Graspiste – eröffnet wurde, übernahm in der Bund bereits zwei Jahre später und das Militär baute 1940 die erste Hartbelagspiste. Ab 1950 wurde der Engadin Airport zur zivilen Mitbenutzung freigeben und 2004 übernahm ihn der Kanton Graubünden, seither ist der Flughafen wieder zivil.

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Mit Andrea Parolini, Chief Projects and Communication des Engadin Airports haben wir einen Blick auf die zivile und militärische Vergangenheit geworfen. Auf der Betriebsbesichtigung zeigte er uns, was es braucht einen Internationalen Flughafen auf 1’707 m. ü. M. zu betreiben. Somit ist er der einzige Flughafen im Kanton Graubünden und der höchste in ganz Europa.

Noch heute wird auf dem Flughafen auf „Sicht“ geflogen. Das heisst, es sind noch keine technischen Hilfsmittel wie Radar oder ALS  (engl. approach lighting system) vorhanden. Bei schlechtem Wetter kann der Flughafen nicht mehr angeflogen werden. Nichtsdestotrotz verzeichnet der Engadin Airport 15’000 bis 25’000 Flugbewegungen pro Jahr. Davon sind schätzungsweise 15% (Privat-) Jets. Der Rest fällt auf Helikopter-Starts und -Landungen (REGA, Heli Bernina, zivile/weitere) und kleine Propellermaschinen. Die bisher grössten Maschinen, die auf dem Engadin Airport gelandet und wieder gestartet sind, waren ein Airbus 320 und eine Boing 737.

Zu besonderen Anlässen, wie etwa dem White Turf in St. Moritz, kann der Airport Samedan über 100 Flugbewegungen pro Tag verzeichnen. Die Gäste kommen aus der ganzen Welt. Moskau, Rio, New York sind nur einige Destinationen aus denen schon Flieger in Samedan gelandet sind. Durch die gute Zusammenarbeit mit dem Zoll ist es möglich solche Gäste aus dem Non-Schengen-Raum am Engadin Airport empfangen zu können. Dies wiederum eröffnet dem Tourismus ganz andere Möglichkeiten. Inzwischen werden Flüge immer günstiger und Charterflüge aus München, Mailand, Madrid, mit einem Pauschalangebot rücken durchaus in den Bereich des Möglichen.

Als besonderen Höhepunkt durften wir uns zusätzlich am Rahmenprogramm des Besuchertags des Pro Aero Jugendlagers erfreuen. Uns wurde einer von 12 Cougar der Schweizer Armee präsentiert (unterscheidet sich nur unwesentlich von den anderen 14 Super Puma im Bestand der Armee), sowie einer PC-7 und einer EC 635 (Armeebestand: 20, 2 davon in Bundesrats-Ausführung mit Ledersitzen). Ein Probesitzen durfte natürlich nicht fehlen.

Neben diversen Flugshows haben sich auch die Falschirmaufklärer präsentiert, sind direkt über dem Flughafengelände abgesprungen und punktgenau vor der Zuschauermenge gelandet.

Bilder und Bericht von Hptm M.-A. Iten

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